Tief im Osten Berlins

Frank Willmann befragte ein Mitglied der Redaktion des Programmheftes des 1. FC Union Berlin.

(Mit Fotos von Knut Hildebrandt)

Im Stadion „An der Alten Försterei“ in Berlin-Oberschöneweide ist Fußball noch eine Angelegenheit der Nähe und des Verzichts. Verzichten muss der Fan auf überflüssigen Schnickschnack im Stadion. Die AF, wie der Unioner sein Stadion liebevoll nennt, ist kein multifunktionales Hamsterrad, sondern ein reines Fußballstadion, welches zu DDR-Zeiten ziemlich vernachlässigt wurde. So wartete der Unionfan bis 2001 auf eine überdachte Tribüne. Umgezogen wird sich im Container, die Anzeigetafel wird von Hand bedient, das Programmheft von Fans gemacht. Das ist nicht üblich bei einem Bundesligaclub, aber Union ist auch kein üblicher Verein. Man kann bei Union noch richtigen Fußball sehn, ab und an saust der Vereinspräsident mit hochrotem Kopf durchs Stadion und diskutiert mit den Fans. Hier ist noch nichts weichgespült, keine sonoren Herren mit teuren Anzügen kommen vorbei und machen aus einem Fußballclub eine Aktiengesellschaft. Dem Fan wird aufs Maul geschaut, am Samstag, dem 12. Juli feierten 150 Fans mit der Mannschaft und den Vereinsoffiziellen eine Strandparty auf Usedom. Dabei wurden die Spieler mit Wuhle-Wasser (die Wuhle ist ein Bächlein hinter dem Unionstadion, wo ab und an Cottbusser reinfallen) getauft und somit optimal auf die Saison vorbereitet.
Der Verein spielt seine dritte Saison in der zweiten Liga, aus dem Schmuddelkind und Lizenzbetrüger Union Berlin ist etwas geworden. Gleich am ersten Spieltag (3. August) muss Union am nach Mainz zu den dortigen Mainzelflennchen fahren. Die „Programmierer“, wie die Macher des Programmheftes genannt werden, sind natürlich mit dabei, wenn aus Mainz die Punkte entführt werden.

Frank Willmann befragte ein Mitglied der Redaktion des Union-Programmheftes.

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