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Wiederholung in anbetracht des letzten Treffens.
Ist halt ne Zeitung und da kann ein wenig Text nicht schaden.

Ursprung dieser netten Zeitungsidee.
Ganz ehrlich und ungelogen. Die erste Idee für eine positive Zeitschrift kam in der U9, irgendwo zwischen Zoo und Turmstrasse.
In dieser U-Bahn lief im TV ein kurzer Bericht über einen Spielplatz in irgendeinem Kiez, erzählt wurde eigentlich wenig, nur das es ein neues Spielgerät gibt und das die Wege neu gepflastert sind.
Anschließend kam dann das übliche BZ Grauen, Arbeitslosigkeit, Kinderschänder, Nazi-Zeug, Steuerloch etc.
Da ist der Ursprung für diese Idee.

Sven liest De-bug
In der Novemberausgabe der Debug, einer Zeitung für elektronische Lebensaspekte, steht ein langer und sehr guter Artikel:
„Die Publizistische Revolution. – Der ebay-Journalismus“
(Kopie des Artikels folgt).
Dieser Artikel hat dann bei mir den Internet-Pioniergeist wieder aufleben lassen.
Am liebsten würde ich jetzt den ganzen Artikel abtippen, aber det is wohl zuviel, ich beschränke mich auf einen Absatz.

Cem macht weiter
Diese Idee für eine Zeitung mit guten Nachrichten habe ich erstmal nur Cem erzählt.
Cem war zu dieser Zeit gerade neu in seinem TheaterHausMitte Job und hoch motiviert, neue Leute, neue Kontakte, neue Ideen, wie das so ist im neuen Job.
Cem hat die Sache weiter voran gebracht, er hat Leute kontaktiert, sogar zwei Artikel wurden geschrieben, Kontakte für die Zeitung geknüpft und vor allem hat er dafür gesorgt dass diese Sache nicht im großen Ideen-Nirvana verschwindet.

Der Artikel „Oh My!“
Drüben, da wo die Sonne aufgeht, da wo wann am liebsten mit dem Handy bloggt (Erklärung dazu in Kopie des Artikels), in dem Staat, dessen Hauptstadt hierzulande nur selten korrekt ausgesprochen wird, genauer gesagt im Süden Koreas, dort gibt es auch etwas lustiges: OhMyNews.com gehört zu den populärsten Webseiten des Landes und wird fast ausschließlich von seinen Lesern gefüttert. „Bürgerjournalismus“ nennt das der Gründer und Herausgeber Oh Yeon-Ho, dessen Vorname nur zufällig mit der ersten Silbe der Domain identisch ist. Oh gründete die Site als Gegengewicht zur konservativen, von der so genannten Gerontokratie beherrschten Presse und ist mittlerweile mit seinen täglichen zwei Millionen Lesern eine wahre Medienmacht im Land. Ein südkoreanische Diplomat sagte einmal dem Guardien: „Kein Politiker kann sich leisten, OhMyNews zu ignorieren. Südkorea verändert sich in einem Maß, dass wir selbst noch nicht glauben können“.
Das Geheimnis des Erfolgs sind dabei die rund 26.000 Hobbyisten aus sämtlichen Gesellschaftlichen Schichten, die mehr oder weniger regelmäßig ihre Berichte, Reportagen und Kommentare an die Redaktion schicken, wo sie gesichtet und die Fakten gegengecheckt werden. Etwas 200 dieser Texte schaffen es dann auf die Onlineseiten.
Mit einem maximalen Salär von ca. 15 Euro wird dabei niemand reich, aber die Möglichkeit, die eigene Meinung an Millionen Mitbürgern zu vermitteln ist den meisten Autoren genug sportlicher Anreiz.“ (Ende)

Die Mischung macht’s
Die drei Absätze sind die Grundlage für unsere Zeitung. Die Mischung macht’s.
Jetzt sind alle auf dem gleichen Infolevel, wer sich noch weiter informieren will kann sich den De-bug Artikel komplett durchlesen, anschließend ein wenig durch die Blogs dieser Welt surfen, sich ein Bild über den Informationsfluss der heutigen Zeit abseits der großen Zeitungen machen.
Wir springen genau in diese klaffende Lücke zwischen dem schnellen WickiWicki-Weblog Ding und den Monatsmagazinen.
Der Bedarf für eine Leser geschriebene Zeitung ist vorhanden, die vielen tausend Weblogs lassen auf ein starkes Mitteilungsbedürfnis der Leute schließen.
Nebenbei: Niemand, absolut Niemand hat diesen Weblog Boom vorher gesehenen.
Weder die großen Thinktanks von z.B. IBM oder Apple, noch die Marketingfuzzies der großen sexytrendymegahippen Handy, SMS, Majorlabel, Klamotten Gelddruckmaschinen.
Stand wohl nicht auf dem Generationsbeibackzettel das auf einmal alle etwas zu sagen haben.

Technikgeschwalle um in die Lücke zu springen
Bei den bisherigen Treffen wurde leider fast nur über die Zeitung geredet, klar, Bedarf dafür ist ja vorhanden, aber wir machen ja eine Mischung aus der klassischen Zeitschrift und dem Netz/Internet.
Eigentlich ist das unsere einzige Chance zu punkten, es gibt sonst schon fast alles.
Lasst euch nicht abschrecken von den vielen neuen Technikgeschwalle, ist alles nur heiße Luft, wer Fragen hat soll sie stellen und ich werde sie geduldig beantworten.
Mein Vater fragt mich heute noch am Telefon ob er mit der linken oder rechten Maustaste einen Doppelklick machen soll, ich bin ein guter Lehrer für Computersachen. 😉
Genau, Technikgeschwalle um in die Lücke zu springen.
Die kommende Arbeit und Brainstormingphase wird doch sehr viel leichter und schneller wenn alle den halbwegs gleichen Wissenstand haben.
Das soll nicht heißen dass jetzt alle ein Weblog aufsetzen können, aber es sollte jeder mal eins gesehen haben und auch verstehen warum das so toll ist.
Dazu dann noch einmal ein WickiWicki durcheinander bringen und Spaßeshalber einen Paypal Button benutzen um diese Geldspende Sache zu sehen.

Was dann kommt
Die Hauptbestandteile der Webseite.
Paypal zum Geldmachen
WickiWicki und Weblog für die Texte
Mailinglisten für die Kommunikation im Team
Als erstes wird es aber nur eine Yahoo-Group geben.
Eine Group sind wir ja schon und mit Yahoo können wir dann ganz wunderbar zusammenarbeiten ohne zusammen zu sitzen.
Das Funktioniert so:
Wenn z.B. Volker einen Text für die Zeitung schreibt kommt er in die Yahoo-Group und ist für alle Sichtbar, alle können ihn lesen, einige können ihn ändern, alle können ihn kommentieren.
Es gibt einen Mailverteiler, so eine Art Newsletter und noch diverse andere Tools die ich selbst noch gar nicht kenne.
Hauptsächlich machen wir das als Einstimmung für das später Arbeiten an der Zeitung, sozusagen ein Warmlaufen oder eine Dehnübung.
So, das reicht erstmal.
Viel Text und viel Blabla über Technik, aber Hey, that’s my job and i gotta do what i gotta do.

PFLICHTLEKTÃœRE FÃœR DAS TEAM ist dieser Artikel aus der TAZ zum Thema und daran sieht man das es funktioniert.

Netz der Informanten
Südkoreas Netzzeitung OhMyNews erklärt 26.000 seiner LeserInnen zu Reportern und mischt mit dieser Guerillataktik Medien und Politik auf

aus Seoul SVEN HANSEN
Das kleine Büro im fünften Stock eines Hochhauses im Zentrum der südkoreanischen Hauptstadt wirkt so profan wie das einer beliebigen kleinen Firma. Doch von diesen schlichten Räumen aus wurde im Dezember 2002 Südkoreas Präsidentschaftswahl zugunsten des linksliberalen Roh Moo-hyun entschieden. Rohs Wahlsieg führt der Gründer der hier ansässigen Netzzeitung OhMyNews.com, Oh Yeon-ho, jedoch weniger auf den Einfluss seines Webportals zurück. Er räumt allerdings ein, dass OhMyNews Südkoreas erfolgreichste mediale Verbindung von modernster Technologie und zivilem Engagement ist.

OhMyNews brach mittels tausender Bürgerreporter das Monopol von Südkoreas konservativen Medien. Die waren gegen Roh und marginalisierten ihn in ihren Berichten. OhMyNews dagegen berichtete ausführlich. Das wiederum nutzte Roh, der schließlich gewählt wurde. Zuvor hatte OhMyNews ausführlich über den Tod zweier Schülerinnen berichtet, die von einem US- Militärfahrzeug überfahren worden waren, deren Fahrer nicht vor Gericht musste. Dies führte zu Demonstrationen gegen die US-Truppen. OhMyNews-Berichte lösten dann eine landesweite Protestbewegung aus.

„Unsere Stärke ist die Kooperation zwischen unseren fest angestellten Redakteuren und den so genannten Bürgerreportern“, sagt Oh, der auch Geschäftsführer von OhMyNews ist. Seine drei Jahre alte Netzzeitung hat inzwischen 30 feste Redakteure und über 26.000 Bürgerreporter. Das sind als freie Mitarbeiter rekrutierte Leser. „Die berichten nicht nur, sondern sind auch wichtige Informanten“, erklärt Oh. Die täglichen Zugriffe auf www.ohmynews.com gibt er mit 15 Millionen an. Während des Wahlkampfes waren es gar 19,7 Millionen bei einer Bevölkerung von 48,5 Millionen.

Der 39-jährige Oh schrieb während der Militärdiktatur in den 80er-Jahren für Untergrundmagazine. Später arbeitete er für Mainstream-Medien und störte sich an deren Rechtslastigkeit. Mit seiner Form des Journalismus, die er als Guerillataktik bezeichnet, nahm Oh den Kampf auf gegen die drei großen konservativen Blätter Chosun Ilbo, Joong-Ang Ilbo und Dong-A Ilbo. Sie stellen zwei Drittel von Südkoreas Zeitungsauflage.

„Unser Konzept ist, dass alle partizipieren können“, erklärt Oh. Ihm kam zugute, dass Südkorea das wohl am meisten mit Hightech vernetzte Land der Welt ist. 70 Prozent der Haushalte haben einen Breitbandanschluss, der Zugriffe mit Hochgeschwindigkeit ermöglicht. Unter jungen Koreanern ist das Internet inzwischen die Hauptinformationsquelle. OhMyNews-Leser und Autoren sind denn auch zu 80 Prozent zwischen 20 und 30 Jahre alt und zu 75 Prozent männlich.

OhMyNews-Ansatz ist vergleichbar mit dem des globalen Aktivistenportals www.indymedia.org. Das lässt sich mit „jeder Aktivist ein Journalist“ charakterisieren und ist vor allem bei WTO-, IWF- und G-8-Gipfeln eine wichtige Informationsquelle über die Proteste. Indymedia ist bei OhMyNews unbekannt. Dafür schafften die Koreaner den Sprung vom Aktivistenghetto in die linksliberale Mitte der Gesellschaft, die mit dem fortschreitenden Generationswechsel mehrheitsfähig wurde.

Von täglich 200 Artikeln sind 170 von den Bürgerreportern. Die erhalten bei einer Veröffentlichung umgerechnet 15 Euro pro Text, der auf der Titelseite erscheint, und die Hälfte für Texte anderswo. Laut Oh überprüfen die festen Mitarbeiter die Fakten vor der Veröffentlichung. „Geht das nicht, versuchen wir, die Glaubwürdigkeit der Autoren zu überprüfen, mit denen wir uns manchmal sogar treffen“, sagt Oh. In drei Jahren hätten erst zwei Artikel von Bürgerreportern zu Gerichtsprozessen geführt.

Chefredakteur Joeng Woon-hyon, ein Journalist mit fast zwei Jahrzehnten Berufserfahrung, ist selbstkritischer: „Ein Viertel der Texte ist schlecht. Die werden von uns nicht bearbeitet, aber mit der Bemerkung ins Netz gestellt, dass wir die Haftung dafür ablehnen. Die liegt allein beim Autor. Viele Texte haben einen verleumderischen Ton.“

Wie bei Indymedia sind auch bei OhMyNews die Leser ein wichtiges Korrektiv. Am Ende jedes Textes werden deren Kommentare veröffentlicht. Zugleich werden die Leser aufgefordert, für Artikel zu spenden.

Unter Journalisten habe OhMyNews keinen seriösen Ruf, meint Ryuh Kwon-ha, Redakteur und künftiger Deutschland-Korrespondent der konservativen Jong-Ang Ilbo. OhMyNews könne leicht manipuliert werden. Er nutze die Netzzeitung aber als Ideenspender. Ihre Qualität sei, dass die Bürgerreporter die Gesellschaft lebendig und vielfältig widerspiegelten.

Auch Han Seung-dong von der linksliberalen Tageszeitung Hankyoreh und Ohs Kollege aus Untergrundzeiten, findet den Standard von OhMyNews nicht sehr hoch. „Dafür bricht OhMyNews Tabus und veröffentlicht alle Informationen, die sie zu einer Sache bekommen können, auch wenn sie sie nicht immer überprüfen können.“

Hankyoreh wurde 1988 gegründet und ist mit 400.000 Auflage bei 60.000 Anteilseignern Südkoreas Version der taz. Lange war es das einzige Gegengewicht zum konservativen Mainstream. Laut Oh ist seine Netzzeitung noch nicht so einflussreich wie Hankyoreh, werde von den großen Medien inzwischen aber oft zitiert.

Auch reklamiert er einige Scoops für OhMyNews – wie die Enthüllung, dass der Hyundai-Konzern einige hundert Millionen Dollar an Nordkorea zahlte, bevor es im Juni 2000 zum historischen innerkoreanischen Gipfeltreffen in Pjöngjang kam – als Konsequenz aus dieser Affäre hat sich erst am Montag der Sohn des Hyundai-Gründers in den Tod gestürzt.

Inzwischen erscheint OhMyNews in Seoul auch in Form einer kostenlosen Wochenzeitung: OhMyNews, ein Blatt mit 150.000 Auflage und den besten Texten der Webseite. Hat der Name eigentlich etwas mit dem von Gründer Oh zu tun? Nein, sagt dieser. OhMyNews sei eine Anspielung auf den Ausruf „Oh my God!“. Der sei das Markenzeichen eines bekannten Kabarettisten zur Zeit der Gründung der Netzzeitung gewesen. „Das Erstaunen ausdrückende Wort Oh sagt man, wenn man etwas mit Nachrichtenwert erfährt und davon ergriffen ist“, so Oh.

taz Nr. 7122 vom 5.8.2003, Seite 14, 211 Zeilen (TAZ-Bericht), SVEN HANSEN

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